Kein Olympia 2024: Danke Hamburg!

Dass es beim Olympia-Referendum knapp wird, war abzusehen. Was mich allerdings überrascht hat, waren die Reaktionen der überstimmten Olympia-Befürworter. Die Bürger seien kleingeistige Nörgler, Miesmacher, armselig und rückhaltlos. Die monatelange und millionenschwere PR-Kampagne vom ersten Bürgermeister Olaf Scholz konnte nicht überzeugen. Obwohl es Unterstützung von Profivereinen und den lokalen Medien gab, wollten die Hamburger sich „Feuer und Flamme“ nicht kühl von oben anordnen lassen. Für mich am treffendsten hat es Florian Kasiske von NOlympia formuliert: „Die Bevölkerung in Hamburg will eine Stadtpolitik, die nicht mehr auf Megaevents und Leuchtturmprojekte setzt, sondern sich an den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen dieser Stadt orientiert.“ Okay: Fifa-Skandal, WM-Affäre, Terrorangst – das alles hatte Einfluss auf die Entscheidung. Doch zu einfach sollten es sich die Verantwortlichen nicht machen. Denn der Rückgang der Zustimmung kann nicht allein mit den Geschehnissen in der Paris erklärt werden. Eine Forsa-Umfrage hatte einen Zustimmungsverlust innerhalb weniger Monate um sieben Prozent belegt – schon vor Paris. Und Sportverbände gelten nicht erst seit diesem Jahr als dubiose Gebilde. Es waren wohl nicht nur „Begleitumstände“. Das aufwändig und viele Millionen teure angefertigte Olympia-Konzept sowie der Finanzplan haben viele Hamburger nicht überzeugt. Wer dennoch „Feuer und Flamme“ war, hat in seiner Begeisterung vielleicht übersehen, dass man mal mitrechnen muss, wenn unser Stadt Großprojekte plant: Sich in einer Stadt, in der ein mit 77 Millionen Euro veranschlagtes Konzerthaus knapp 800 Millionen kosten kann, etwas kritischer mit Finanzplänen auseinanderzusetzen, hat nichts mit Kleingeistigkeit zu tun. Das ist gesunder Menschenverstand! Bis zum Schluss war ja auch überhaupt nicht klar, mit wie vielen Milliarden Euro sich der Bund beteiligen wird. Da ging es um 6,2 Milliarden Euro! Hamburg hat die passende Antwort an der Wahlurne gegeben.