Makler drohen mit Streik

Wer einen Immobilienmakler beauftragt, soll ihn auch bezahlen. Das hat das Kabinett zu Recht beschlossen. Wer die Musik bestellt, soll auch dafür bezahlen. Das Bestellerprinzip gilt ab 2015. Die Makler fürchten um ihre Existenz. Ein Verband droht mit Streik und erntet Lacher. Auch aus der eigenen Branche.

Wohnungssuche in Hamburg: Ein Marathon 
Seit mehreren Monaten bin ich auf Wohnungssuche. Ein nicht ganz so einfaches Unterfangen in Hamburg. Fast jeden Abend pflüge ich die gängigen Wohnungs-Portale ab. Zusätzlich habe ich Wohnungsgesellschaften und Makler angerufen. Und natürlich habe ich meinen kompletten Freundeskreis informiert, dass ich auf der Suche bin. Wohnungsbesichtigungen gibt es nur noch als Sammeltermin. Individuelle Termine finden schon lange nicht mehr statt. Ich habe bisher viele gute Makler erlebt. Leider ist die Zahl der schlechten Makler in der Mehrzahl. Oftmals trifft man auf Besichtigungen Makler, die keine Ahnung von der Wohnung haben: Die genaue Quadratmeterzahl ist unbekannt, zum Thema Energieverbrauch gibt es keine Infos etc.. Ist eigentlich auch völlig egal, die Wohnungsnot ist so groß, dass viele bereit sind, die Katze im Sack zu kaufen. Oft lässt sich der Makler auch gar nicht auf der Besichtigung blicken, sondern lässt sich von einem Praktikanten vertreten, der Formulare an die Interessenten verteilt.

Miese Masche: Eintritt bei einer Wohnungsbesichtigung
Meine Ansprüche sind wirklich nicht hoch. Zwei Zimmer, Bad, Küche und im Idealfall einen kleinen Balkon. Das sollte in Wandsbek, Barmbek-Süd oder Eilbek eigentlich machbar sein. Obwohl wir uns hier nicht in Eppendorf oder anderen hippen Stadtteilen befinden, ist der Andrang auf Wohnungen enorm. Teilweise muss man zwei Stunden im Treppenhaus anstehen, um einen kurzen Blick in die Wohnung werfen zu dürfen. Eine Maklerin sagte mir mal, dass die Besichtigung pro Kopf 50 Euro kosten soll. Sie meinte das wirklich ernst! Und ich will nicht wissen, wie viele verzweifelte Leute das bezahlt haben.

Verband ruft zu Streik auf
Mit einem Streik der Immobilienmakler am 7. November wolle man nicht die ganze Bundesrepublik lahmlegen, sagt Helge Norbert Ziegler, Vorstand des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft (BVFI). Das könne man auch gar nicht. Trotzdem hat der Verband 11.000 Mitglieder dazu aufgerufen, sich an einer Urabstimmung über Streik zu beteiligen. Etwa 20 Prozent haben bereits abgestimmt. „Die Tendenz zeigt Richtung Streik“, sagt Ziegler. Was ihn und seinen Verband aufregt, ist das Bestellerprinzip, das in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten soll. Es bedeutet, dass künftig derjenige die Courtage oder Provision für den Makler bezahlen muss, der den Makler beauftragt hat. Das ist meist der Vermieter. Bislang muss der Mieter zahlen – und zwar bis zu zwei Monatskaltmieten plus Mehrwertsteuer. Die Makler befürchten, dass ihnen die Aufträge wegbrechen. Sie sehen Unternehmen und Arbeitsplätze in Gefahr. „Wir wollen nicht länger die Deppen der Nation sein und für Missstände wie Mietsteigerungen verantwortlich gemacht werden“, sagt Verbandschef Ziegler. „Dabei sind das die Verfehlungen der Politik.“ Als Deppen allerdings nehmen ihn nun auch Makler-Kollegen wahr: „Saublöd“ findet Markus Gruhn, Vorsitzender des Rings deutscher Makler, die Aktion. „Das ist Schwachsinn. Die Politik zittert schon, dass die Wirtschaft wegen des Maklerstreiks zusammenbricht“, zitiert ihn die Immobilien-Zeitung. Ziegler wiederum tut diese Ironie als reines Machtgehabe des etablierten Verbands gegen den vergleichsweise jungen BVFI ab.

„Ja“ zum Bestellerprinzip
Meiner Meinung nach ist es völlig richtig, dass derjenige bezahlt, der den Auftrag vergibt. Denkbar wäre eventuell auch, dass Mieter und Vermieter sich zu fairen Anteilen an den Kosten beteiligen. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung in der Branche. Und ich werde natürlich berichten, was sich bei der Wohnungssuche ergibt.